Monday, August 22, 2016

ImmunPRO





Unter ImmunPRO wird ein Zistrosen-Extrakt mit Vitamin C als Lutschtablette verkauft. Zistrosen werden als Tee seit alters her genossen. Und Zistrosen enthalten Polyphenole, die antioxidativ wirken. „Bereits beim ersten Kratzen im Hals kann das Immunsystem durch Vitamin C unterstützt werden“ – so die Werbeaussage von ImmunPRO.


Auf einer Seite zu Cistus incanus finde ich folgende Aussage: „Polyphenole gehören dabei zur Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe. Im Bereich der Naturheilkunde werden diese auch als "Phytamine" bezeichnet.“ Ups! Bisher dachte ich, dass die Vorklinik mit Chemie und Biochemie in meinem Studium nicht so wichtig gewesen wären, jedoch zeigt sich jetzt doch ein Nutzen. Polyphenole sind natürlich keine Amine.


Aus einem Interview mit Lebensmittelchemiker Prof. Dr. Sascha Rohn (Cistus incanus-Tee: Hoher Polyphenolgehalt Grund für hohe antioxidative Wirkung): „Aus lebensmittel- und arzneimittelrechtlicher Sicht bestehen klare Abgrenzungen zwischen Arznei- und Lebensmitteln … Ob ein präventiver Nutzen von Lebensmitteln oder ausgewählten Inhaltsstoffen eines Lebensmittels vorliegt, kann nach derzeitiger Datenlage nicht einmal für ein Handvoll von Lebensmitteln gesagt werden.“ Allerdings hat seine Forschungsgruppe einen hohen Gehalt an Polyphenolen im Tee bzw. der Pflanze nachgewiesen. Und die sind gut gegen viele Leiden, wobei der Grad des Nutzens unklar ist und deshalb eine alleinige Therapie mit Antioxidantien nicht empfohlen werden kann.

Die Zufuhr von Vitamin C hilft nur, wenn ein Mangel besteht. Vitamin C aus der Nahrung hilft übrigens besser als Ascorbinsäure in Nahrungsergänzungsmitteln. 100 mg Vitamin C pro Tag reichen aus. Die sind enthalten in ca. 60 mg Schwarzer Johannisbeere (reich an antioxidativen Anthozyanen) oder 80 g Paprika.


Drei- bis sechsmal täglich eine Tablette werden empfohlen. Für 30 Tbl. müssen Sie etwa 15 Euro rechnen. D.h. aber Tageskosten von 1,50-3,00 Euro. Ich gebe zu, dass dies nicht die große Abzocke ist, da eine Erkältungskrankheit nicht lange anhält, aber Abzocke ist es schon. Ich würde eher den Cistus incanus Tee trinken und schwarze Johannisbeeren essen.

Links:



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Friday, August 19, 2016

Into the Weekend – Summer Haiku




 
The sky moves above
Cars buzzing on the motorway
Just breathing mind stops

Forgotten moon
Behind the cloud's curtain
This short summer night

Just musing
Strange cherry blossoms
Change but don't age

Chirping throstle
Sun going up to shine on
Cotton-wool clouds

Old pond
Looking for the frog
Where's the water?

Gepeitschter Himmel
Hinter dem Strom lugt Gold
Durch WolkenBänke
 
Dew drops on the moss
Garden's tranquillity
A warbler crossing

The scarecrow
After the harvest
Its’ loneliness

The cherry blossoms
Dwindling down with the rain
Then separating

Raindrops keep falling
None waited for in the sun
But grass drank this love

The cherry blossoms
Dwindling down with the rain
Then separating


ArthroCaps und Arthrose



Mir fliegt eine Werbung zu ArthroCaps auf den Tisch; „ein Konzentrat aus besonders leistungsfähigen Natur-
stoffen“ und soll durch „die Regeneration des Knorpels und den Aufbau der Synovialflüssigkeit (Gelenkflüssig-
keit)“ die Beweglichkeit wieder herstellen. „Außerdem schützt es Ihre Gelenke vor freien Radikalen, vor allem vor dem Enzym Cox-2, das für die übermäßige Abnutzung der Gelenke verantwortlich ist.“ Da werden wir einmal nachschauen müssen, was denn Wahres daran ist.
Was sind denn die Inhaltsstoffe dieses von der Werbung hoch gepriesenen Nahrungsergänzungsmittels? Omega 3, Astaxanthin, Vitamin E, CoQ10, Vitamin D3, Vitamin K2, Ingwerwurzel, MSM und Teufelskralle.

Omega-3-Fettsäuren
Es könnte durchaus etwas dran sein! Aber die Studien zu Omega-3-Fettsäuren (n-3-Fettsäuren) und Arthrose lassen den Schluss auf Wirksamkeit nicht zu. Vielleicht ist das Ziel, die strukturellen Veränderungen zu stoppen aber auch zu hoch. Das Enzym COX-2 ist mitverantwortlich für die Veränderung der Arachidonsäure, einer Omega-6-Fettsäure (n-6-Fettsäure), zu Prostaglandinen der 2er Serie, die Schmerz und Entzündung auslösen. Deshalb gilt zunächst: mehr n-3-Fettsäuren und weniger n-6-Fettsäuren führen zu weniger Entzündung und Schmerz. Aber so einfach ist es dann doch nicht. Die MOST-Studie (Multicenter Osteoarthritis Study) fand 2012 heraus, dass es die Höhe der n-3 und n-6-Fettsäuren einen Einfluss auf strukturelle Veränderungen an Kniegelenken von Personen mit Kniegelenksarthrose haben könnten. Aber die Autoren forderten weitere Studien, um herauszufinden, ob Änderungen der Zusammensetzung der besagten Fettsäuren auch zu Änderungen des strukturellen Schäden am Gelenk führen würden. In der Zwischenzeit ist eine viel diskutierte Studie erstellt worden. C.L. Hill, S.M. Proudman und weitere publizierten: „Fish oil in knee osteoarthritis: a randomised clinical trial of low dose versus high dose”. Mit Frau Proudman und anderen Kollegen aus Adelaide stand ich schon in Kontakt wg. ihrer Studie zu Fischöl und rheumatoider Arthritis. Während es bei der rheumatoiden Arthritis einen zusätzlichen Nutzen unter bestimmten Bedingungen gab, musste man unter der hochdosierten Gabe von Fischöl gegen 1/10tel Fischöl und 9/10tel Sonnenblumenöl als Vergleich bei der Arthrose feststellen, dass es keinen zusätzlichen Nutzen gab. Ja, die Schmerzen waren unter 1/10tel Fischöl und 9/10tel Sonnenblumenöl effektiver bekämpft. Zusammenfassend hießt dies, dass es zu früh ist, eine Wirksamkeit von n-3-Fettsäuren bei der Arthrose als nachgewiesen anzusehen.

Astaxanthin
Astaxanthin stammt aus Algen bzw. Kleinkrebsen, wie Krill, der anderen Tieren als Nahrung dient. Wie de Karotinoide besitzt Astaxanthin antioxidative Fähigkeiten. Aber für eine Besserung der Beschwerden bei Arthrose finden sich keine Belege.

Vitamin E
Vitamin E ist in den 90iger Jahren gegen Schmerzen bei rheumatoider Arthritis eingesetzt worden, aber in späteren Studien ließen sich keine positiven Effekte nachweisen. Zu viel Vitamin E schadet. 2010 publiziert T. Seki und Kollegen eine Untersuchung in Japan, allerdings ging es neben den Plasmaspiegeln Vitamin E auch um Retinol und Vitamin D. Immerhin ließen sich positive Effekte nachweisen. Ob dies die Gabe von künstlichen Mitteln, also Nahrungsergänzungsmitteln rechtfertigt, wage ich zu bezweifeln.

Coenzym Q10
“CoQ10 is not approved by the U.S. Food and Drug Administration (FDA) for the treatment of any medical condition.” Andererseits gibt es aber eine Studie an Ratten, die einentheraeutischen Effekt nachweisen konnte. Also noch viel zu früh, um das Präparat einzusetzen.

Vitamin D3
X. Jin und Kollegen haben eine Studie zu Vitamin D3 und Arthrose veröffentlich: „Effect of Vitamin D Supplementation on Tibial Cartilage Volume and Knee Pain Among Patients With Symptomatic Knee Osteoarthritis: A Randomized Clinical Trial.” Die Ergebnisse unterstützen nicht die die These, dass die Gabe von Vitamin D3 zur Verhinderung von Knorpelverlust an der Tibia oder zur Verbesserung der WOMAC Knieschmerzen bei Patienten mit Kniegekenksarthrose führt.

Vitamin K
Vitamin K hat einen Effekt bei der Arthrose. M.K. Shea und Kollegen veröffentlichen 2015 die Studie: „The association between vitamin K status and knee osteoarthritis features in older adults: the Health, Aging and Body Composition Study.” Männer und Frauen mit sehr niedrigen Plasma Spiegel von Vitmain zeigten eher eine Progression der Knorpelabbau bei Kniegelenksarthrose. Aber sie sahen die Rolle von Vitamin K bei der Arthrose als nicht geklärt an. Und schon gar nicht folgt daraus, dass man Vitamin K bei allen Arthrose-Patienten mit Nutzen geben könnte.

Ingwerwurzel
Für Ingwer existieren Studien und sogar eine Metaanalyse, die von E.M. Bartels und Kollegen veröffentlicht wurde (2015): „Efficacy and safety of ginger in osteoarthritis patients: a meta-analysis of randomized placebo-controlled trials.“
Von 122 Studien wurden 117 verworfen wg. qualitativer Mängel verworfen, so dass fünf Studien mit ingesamt 593 Patienten übrig blieben. Ginger war in bescheidenem Umfang wirksam, aber relativ sicher bei der Behandlung der Arthrose. Hier müssten nun bessere Studien in Auftrag gegeben werden, um die Dosis und Wirkungsgrad besser beurteilen zu können. Die Metaanalyse behandelte nur die Verringerung von Schmerzen Behinderung, nicht aber den Effekt auf die Struktur der Gelenke. Hier bleibt also noch viel Platz bis zu einer realistischen Einschätzung von Ingwer.

MSM
Zu MSM / Methylsulfonylmethan / Dimethylsulfon hatte ich mich bereits umfangreich geäußerst:
„Wikipedia hat einen kurzen Artikel und darin steht, dass die „höchsten, natürlichen Konzentrationen in Kuhmilch (3,3 ppm) und in Kaffee (1,6 ppm) gemessen“ wurden; Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Dimethylsulfon. Die englische Fassung von Wikipedia geht viel weiter und erwähnt folgenden Umstand: „In October 2000, the United States Food and Drug Administration warned one MSM promoter, Karl Loren, to cease and desist from making therapeutic claims for MSM, as the marketing of drugs without the approval of the FDA is illegal.” Link: http://en.wikipedia.org/wiki/Methylsulfonylmethane. In einer neuen Studie hat man herausgefunden, dass MSM auch in der Verbindung mit Boswellinsäure (Weihrauch) nur keinen besseren Effekt als Placebo in den klinischen oder funktionellen Parametern aufwies. Allerdings wurden andere Stoffe weniger eingenommen (NSAR). „The "MESACA" study: methylsulfonylmethane and boswellic acids in the treatment of gonarthrosis” von A. Notarnicola und Kollegen, Link: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21986780. Andere Studien wie http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16309928 aus dem Jahr 2005 oder http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21708034 aus dem Jahr 2011 können minimale, unsichere Effekte sehen und fordern größere Studien ein. In diesen Studien wurde MSM in höherer Dosierung als Tablette eingenommen, so dass der Effekt deutlich über der örtlichen Anwendung mit einer Creme liegt. Zusammenfassend haben es die Hersteller und Vertreiber von MSM seit 1982 nicht geschafft, einen Nachweis für einen Nutzen zu erbringen.“

Teufelskralle
Auch zur Teufelskralle hatte ich mich bereits ausgelassen:
„Die Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) gilt seit langer Zeit schon als effektiv, aber es geht auch darum, diese Wirksamkeit nachweisen zu können. Die Teufelskralle wird in Südafrika auf Wüstenböden angebaut, sie stammt aus der Familie der Sesamgewächse. Die Präparate sind bereits lange im Handel und dann geschieht als Folge: man macht sich gar nicht mehr die Mühe, nachzuschauen, was denn nun hinter den Heilaussagen steht.
In der Zusammenfassung einer Metaanalyse sagen die Autoren, dass definitive Aussagen zur Wirksamkeit und der Sicherheit weiterhin offen bleiben [„(1) Does it work? And (2) is it safe? A definitive high-quality trial that addresses the necessary methodologic improvements noted is needed to answer these important clinical questions.” http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17212570].
Öko-Test hat solche Produkte getestet, siehe hier: http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=97295;bernr=06;co=. Die Produkte schneiden schlecht ab! Auch FOCUS berichtete darüber: „Rausgeschmissenes Geld ist die Einnahme von frei verkäuflichen Gelenkkapseln bei leichter bis mittelschwerer Arthrose des Kniegelenks. Zu diesem Schluss gelangt die Zeitschrift „Öko-Test“ in einer Untersuchung.“ http://www.focus.de/gesundheit/ticker/test-gelenkkapseln-gegen-arthrose-helfen-nicht_aid_392514.html

Zusammenfassend gibt es bei verschiedenen Inhaltsstoffen von ArthroCaps durchaus Potential, aber wie viel Wirksamkeit jeder einzelnen Substanz gegen Schmerz, Behinderung und Progression der Arthrose zugesprochen werden kann und ob ein additiver Effekt besteht, ist bisher nicht untersucht worden. Das Nahrungsergänzungsmittel ArthroCaps kostet bei allen Rabatten ziemlich genau 360 € im Jahr.
ArthroCaps werden von der Firma Sanatore vertrieben. Das Solinger Tageblatt warnte vor dem „Sanatore-Bestellservice“, der z.B um einen kostenpflichtigen Rückruf auf einer Postkarte bat.
Ich halte das Präparat für nicht empfehlenswert.

Links:
MOST-Studie http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22353693
C.L. Hill, S.M. Proudman http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26353789
T. Seki http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20721715
Coenzym Q10 Rattenstudie - http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0069362
Vitamin D3 – http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26954409
Vitamin K - http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25528106
Ingwer - http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25300574
Arthro Caps / Sanatore - http://www.solinger-tageblatt.de/solingen/unserioese-firma-schickt-postkarten-3979525.html
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Metaanalyse zeigt gleiche Wirksamkeit für NSAR und Opiate bei Kniegelenksarthrose



Schmerzen bei Arthrosen sind eine tägliche Qual für Patienten und ein tägliches Problem für Ärzte. Wenn die physikalischen Maßnahmen ausgeschöpft sind, werden Medikamente eingesetzt. Effektive Medikamente haben aber auch Nebenwirkungen. Da ist es gut zu wissen, welche Präparate oder Medikamentenklassen Vorteile haben und welche eher nicht. Opiate gelten schärfste Waffe der Schulmedizin gegen den Schmerz. Metaanalysen versuchen solche Fragen zu klären, indem die vorhandenen Studien ausgewertet und zusammengeführt werden. Nicht jede Studie eignet sich für solche Auswertungen. Die Studien müssen gewisse Qualitätsforderungen erfüllen.

S.R. Smith und Kollegen stellten eine Metaanalyse mit dem Titel: „Comparative pain reduction of oral non-steroidal anti-inflammatory drugs and opioids for knee osteoarthritis: systematic analytic review“ vor. 27 Therapiearme aus 17 Studien kamen zur Auswertung (9 für Celecoxib, einem COX-2-Inhibitor; 4 für nicht-selektive NSAR [Nicht-Steroidale Anti-Rheumatika] und zwar Diclofenac, Naproxen und Piroxicam; 11 schwach potente Opiate / Tramadol; 3 für hoch potente Opiate [Hydromorphon, Oxycodon]). Die statistischen Analysen zeigten keine Unterschiede für die verschiedenen Klassen der Medikamente. Patientengruppen mit höherem Anteil an Männern und höherer Schmerzstärke vor Therapiebeginn hatten eine stärkere Schmerzreduktion.

Aus der Studie folgt, dass Schmerzen bei Kniegelenks-arthrose individueller gestalten werden können. Opiate sind nicht erfolgreicher per se. Opiate bergen ein höheres Risiko für Stürze, so dass man dies berücksichtigen kann. NSAR haben andere Risiken. Die vorliegende Metaanalyse lässt sich nutzen, um die Risiken der Therapie mehr in die Therapieempfehlungen einfließen zu lassen.

 

Literaturangabe:
S.R. Smith et al.: “Comparative pain reduction of oral non-steroidal anti-inflammatory drugs and opioids for knee osteoarthritis: systematic analytic review”. Osteoarthritis Cartilage. 2016 Jun;24(6):962-72. doi: 10.1016/j.joca.2016.01.135. Epub 2016 Feb 1. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26844640