Ich kann es nicht mehr genau
rekonstruieren, aber einer meiner Brüder, meine Schwägerin und ich saßen abends
in der Eifel zusammen und plötzlich sprachen wir über den Hainbund, besser den
Göttinger Hainbund. Ich wusste eigentlich nicht viel mehr als Namen und
Zeitpunkt. Aber ich erinnerte mich noch, dass im Gymnasium besonderen Wert auf
die Kenntnis von diesem Bund gelegt wurde.
Wikipedia weiß zu berichten: „Der
Göttinger Hainbund wurde am 12. September 1772 von Johann Heinrich Voß, Ludwig
Christoph Heinrich Hölty, Johann Martin Miller, Gottlieb Dieterich von Miller,
Johann Friedrich Hahn und Johann Thomas Ludwig Wehrs auf dem Kerstlingeröder
Feld nahe der Universitätsstadt Göttingen gegründet.“ [1]
Aus einem Brief von Johann Heinrich Voß an Ernst Theodor Johann Brückner vom
21. September 1772: „Der Abend war außerordentlich heiter, und der Mond voll.
Wir überließen uns ganz den Empfindungen der schönen Natur. Wir aßen in einer
Bauerhütte eine Milch, und begaben uns darauf ins freye Feld. Hier fanden wir
einen kleinen Eichengrund, und sogleich fiel uns allen ein, den Bund der
Freundschaft unter diesen heiligen Bäumen zu schwören. Wir umkränzten die Hüte
mit Eichenlaub, legten sie unter den Baum, und faßten uns alle bey den Händen,
und tanzten so um den eingeschloßenen Stamm herum; riefen den Mond und die
Sterne zu Zeugen unsers Bundes an, und versprachen uns eine ewige Freundschaft“
[2]
So etwas kenne ich auch aus China: Hier sind alle illustren Personen
versammelt, sowohl die Alten als auch die Jungen. Hier sind hohe Berge und
majestätische Gipfel, Bäume in vollem Laub und hoher Bambus. Hier sind auch
klare Ströme und gurgelnde Stromschnellen, die das Auge von rechts und links
fangen. Wir gruppieren uns, sitzen am Ufer und trinken nacheinander von einer
Tasse, die den geschwungenen Bach hinunterschwimmt; Und obwohl es keine Musik
aus Streich- und Holz-Blasinstrumenten gibt, doch mit abwechselnd versinkend
und trinkend, sind wir wohl geneigt, ein ruhiges intimes Gespräch zu genießen.
Heute ist der Himmel klar, die Luft ist frisch und die Brise mild. Wirklich
angenehm ist es, das unermessliche Universum oben und die unzähligen Dinge
unten zu sehen, über die ganze Landschaft mit unseren Augen zu reisen und
unserer Stimmung zu erlauben, nach Belieben zu wandern und so die Freuden des
Auges und des Ohres auszuschöpfen. [3]
Zurück zum Hainbund. Der Hainbund hat den Göttinger Musenalmanach
herausgegeben. 1775 hatten die Herren Studenten zu Ende studiert und der
Hainbund löste sich auf. Die Mitglieder des Bundes können Sie auf Wikipedia
nachschlagen [1]. Wenn Sie mir sagen, Sie hätten von irgendeinem der Mitglieder
etwas außerhalb der Schule gelesen, dann antworte ich: auch ich habe seltene
und seltsame Literatur gelesen. Aber könnte man es nicht auch so
zusammenfassen: Göttinger Studenten und in der Folge unbedeutende
Schriftsteller bilden einen kurzlebigen Bund – wahrscheinlich nur, damit wir das
später lernen müssen.
Noch ein anderer Punkt, den unser
Lehrer damals ausgelassen hat: „[…] Hernach […] aßen wir, punschten, und
zuletzt verbrannten wir Wielands Idris und Bildnis.“ Bücherverbrennungen gehen
mir völlig gegen den Strich.
Links:
[3] 群賢畢至,少長咸集。此地有崇山峻嶺,茂林修竹;又有清流激湍,映帶左右。引以為流觴曲水,列坐其次;雖無絲竹管絃之盛,一觴一詠,亦足以暢敘幽情。是日也,天朗氣清,惠風和暢。仰觀宇宙之大,俯察品類之盛;所以遊目騁懷,足以極視聽之娛,信可樂也。
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